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Auf einer Frenquenz

Ich hatte das Gefühl als würde mir mein Kopf jeden Augenblick zerplatzen. Meine Gedanken schwirrten umher und ich saß auf meinem Einzelbett und starrte vor mich hin. Ich war alleine in dem gemeinsamen Zimmer. Das Licht brannt vor sich hin, während es sich so anfühlte, als würde meine Seele in eine andere Dimension reisen. Als würde sie auswandern. Weg von der momentanen Situation und hinein in das reine Wunschdenken und Fantasien. Alles hörte sich dumpf an, alles sah verschwommen aus und registrierte in der Zeit garnichts mehr. Ich war in meiner eigenen kleinen Welt gefangen. Gefangen oder habe ich mich selbst da rein gesperrt? Reines Wunschdenken oder doch der Drang, etwas ändern zu wollen? Ich fragte mich, wie viel ich noch auf mich nehmen kann, wie lange ich die Kraft habe, diesen immer wieder kehrenden Ärger zu ertragen. Ob ich glücklich sei. Der Kuss mit Charly hatte mich nachdenklich gemacht. Ich dachte das erste mal intensiv darüber nach, was ich will, was ich von meiner Partnerin erwarten kann. Ich musste mir darüber im klaren werden, was mir mein Herz schon die ganze Zeit versucht zu sagen. Ich hörte Schritte die auf mein Zimmer zukamen, welche mich aus meiner Trance rissen, was in dem Moment allerdings gut war, sonst wäre wieder einer dieser sinnlosen Diskussionen entstanden, die mir schon jedes Mal die Magensäure hoch trieb. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich mit ihr vernünftig reden kann geschweige denn, mich ihr öffnen kann. Komisch, dieses Gefühl hatte ich von Anfang an, aber ich hatte darüber hinweg gesehen. Besser gesagt, ich hatte mir lange Zeit eingeredet, dass es irgendwann schon besser wird. Es war Abend, als sie mich fragte was ich essen möchte. Wir entschieden uns für chinesisch und gingen zu einem Restaurant, das ganz nach dem Asiatischen Stil gebaut und dekoriert war. Während des ganzen Abends herrschte eine seltsame Stimmung zwischen uns. Wir schwiegen uns beide gegenseitig an, aber nach ihrer Meinung öffnete ich mich zu wenig, sie kam allerdings ebenso selten von sich aus um zu reden. Ich weiß bis heute nicht, wieso an dem Abend so eine komische Stimmung war, aber allein das kotzte mich schon wieder so an, dass ich mich ins Fitness Studio flüchtete. Dort konnte ich die Kopfhörer aufsetzen, um mit Hilfe meiner Musik, erneut in meine eigene Welt zu flüchten. Eine die nur in meinem Kopf existiert, die für keinen anderen zugänglich ist und auch nie sein wird. Ich setzte mich aufs Fahrrad und trat so lange und in so einem Tempo in die Pedale, dass ich irgendwann keine Luft mehr vor Flüssigkeitsmangel bekam. Als ich auf die Uhr sah, bemerkte ich, dass es schon halb elf Uhr Abend war. Ich saß zwei Stunden auf dem scheiß Teil. Aber immerhin konnte ich meinen Frust und meine Aggressionen ablassen. In Berlin stand mir ja keine andere Möglichkeit zur Auswahl. Ich saß noch einige Zeit weiter auf dem Fahrrad und hielt mein Handy in der Hand. Ich hatte eine Nachricht bekommen. "Ich vermisse dich und freue mich, dich am Samstag in der Arbeit wieder sehen zu dürfen." Als ich diesen Satz las, spürte ich gleich, wie meine Aggressionen von mir abließen, wie Dämonen der Hölle die vom reißenden Licht des rettenden Sterns verjagt wurden. Ich las den Satz noch mal und ich merkte, dass ich einen Kloß im Hals hatte. Ich war unglücklich. Nicht diesen Satz zu lesen, aber in dem Moment wurde mir klar, was mir bisher an N. gefehlt hatte, was ich aber nie bekommen hatte: Dieses Liebevolle in jedem einzelnen Wort, jemand der so lange auf mich wartet, bis ich wieder zurück komme, und alleine diese Worte, dass mich jemand vermisst. Es fühlte sich an, als währen wir auf einer Wellenlänge, trotz mehr als 600 km Entfernung, hatte ich das Gefühl dass sie gerade ganz genau spürte, wie es in meinem Kopf gerade ausschaut, weswegen sie mir dies schrieb. "Ich vermisse dich auch wie verrückt und kann es kaum erwarten, dich endlich wieder sehen zu dürfen. Ich denk an dich Große." Ich nahm mein Handy, mein Handtuch und meine Wasser Flasche und ging zu dem großen Pool mit der kleinen Insel in der Mitte. Obwohl es ein Hallenbad war, hatte man das Gefühl als sei man am Strand, da du den Sand zwischen den Zehen spüren konntest. Ich zog mich aus, legte meine Sachen auf eine Nahe gelegene Liege und ging ins Wasser bis ich komplett unter Wasser war. Ich ließ mich treiben und sah währenddessen, in den Sterne Himmel, der durch einige durchsichtige Stellen der Kuppel sichtbar war. Ich fühlte mich schwerelos, als würde ich ganz unkontrolliert durch die Luft schweben. Ich schloss die Augen und stellte mir vor das sie bei mir wäre. Das wir dieses schwerelos Gefühl miteinander teilen, sie sanft meine Hand nimmt und mir einen Kuss auf den Handrücken drückt, weswegen ich sie leicht anlächle, sie zu mir ziehe und sie küsse. Es ist Ansichtssache, was man als Realität sieht. Der Großteil ist der Meinung dass die Realität das aktive Leben ist. Morgens aufwachen, in die Arbeit gehen, seinen Hobbys nachgehen usw. Ich bin der Meinung dass man in der Realität angelangt ist, wenn man in seiner Traum Welt ist. Man kann alles durch seine Fantasie erreichen, in der Traum Welt kann alles so leicht sein, die Lösungen sind so offensichtlich. Man muss sich nicht darum sorgen ob man genug Geld hat, ob man jemandem das Herz raus reißt, ob man andere durch sein eigenes Verhalten verletzt, ob man den richtigen Weg eingeschlagen hat um später glücklich zu sein. Ob die Entscheidungen, die man trifft, richtig oder falsch sind und falls sie falsch sind, mit den Konsequenzen leben zu können. Es ist surreal, ich weiß, ich denke sehr abstrakt. Vielleicht kannst du mich nicht verstehen oder meine Gedanken nachvollziehen, aber darüber kann man sich genauso gut streiten, wie über Politik. Als ich ins Zimmer kam, schlief sie bereits. Ich legte mich ebenfalls hin und schlief ein mit der Vorstellung an den vergangenen Samstag. Ich erinnerte mich nochmals an ihren Geruch, der an mir haftete, nachdem das in der Umkleide passiert war. Ich hatte sofort das Gefühl beschützt zu werden, dass ich sicher wäre und das alles okay ist, egal was ich tue und mit diesem Gefühl bin ich eingeschlafen.
19.1.15 21:18
 


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